Startseite Links Gästebuch Geologie 1 Geologie 2 Feuerstein Paläolithikum 1 Paläolithikum 2 Mesolithikum Ertebölle Ertebölle 1 Ertebölle 2 Frühneolithikum Frühneolithikum 2 Megalithgräber Mittelneolithikum Einzelgrabkultur Spätneolithikum Bronzezeit Vorrömische Eisenzeit bilder Ertebölle 2Ertebölle 2 Halten wir also fest: Im Zeitraum 4800 bis 4500 v. Chr. waren die Küstenbewohner in Rosenhof reine Jäger, Fischer und Sammler. Weiträumige Verbindungen bestanden sowohl mit anderen Jäger – und Sammlerkulturen als auch mit den Bauern südlich der Elbe. Obwohl sie einen altertümlich anmutenden Lebensstiel hatten, schotteten sich die Ertebölle-Leute also keineswegs von ihren Nachbarn ab. Die Fundstelle Wangels beleuchtet die weitere Entwicklung. Sie erfasst genau den Übergang von der spätesten Ertebölle- zur frühesten Trichterbecher-, also Bauernkultur. Zur älteren Besiedlungsphase gehören wieder ovale Lampen und Spitzbodengefäße. Von ihnen ist nach Radiokarbondaten anhaftender Krusten jedoch keine jünger als 4100 v. Chr. Etwa ab 4100 v. Chr. dann tritt eine ganze Reihe völlig neuer Gefäßtypen auf, wie die der Kultur ihren Namen gebenden verzierten Trichtergefäße, flaschenförmige Töpfe, Schalen und aufzuhängende Ösenbecher. Sie repräsentieren das Repertoire der frühesten Trichterbecher-Kultur! Spitzbödige Töpfe und Lampen wurden nun nicht mehr gebraucht. Gleichzeitig wandelt sich auch das Artenspektrum innerhalb der Tierknochen. Es weist auf eine bereits entwickelte Nutzviehhaltung hin: Zwei Drittel aller Säugetierknochen stammen von Haustieren, davon wiederum zwei Drittel von Hausrindern. Aber auch Schafe und Ziegen sind in Wangels bereits genutzt worden und hatten größere nahrungswirtschaftliche Bedeutung, während das Schwein keinen hohen Stellenwert besaß. Radiokarbondatierungen zeigen, dass der Beginn der Haustierhaltung in Wangels auf den Zeitraum zwischen 4200 und 4100 v. Chr. festzulegen ist. Hinweise auf die Verwendung von Nutzpflanzen liegen nun ebenfalls in unterschiedlicher Form vor. So sind in den feuchten Abfallschichten vereinzelte Getreidepollen zu finden, und in der Scherbe eines Gefäßes steckt bis heute ein unversehrtes, verkohltes Emmerkorn. Vom selben Getreide, einem Vorläufer des Weizens, sind auf einem anderen Tongefäßbruchstück auch großflächige Abdrücke von Ähren erhalten geblieben. Indirekte Zeugen einer agrarischen Tätigkeit sind mehrere Fragmente von Mahlsteinen aus Granit, die eine Weiterverarbeitung des Korns belegen. Fazit: In Wangels lässt sich zwischen 4300 und 4100 v. Chr. ein kleiner Niederschlag der Ertebölle-Kultur nachweisen. In dieses Inventar gehören auch die ersten Knochen von Haustieren. Nach 4100 v. Chr. tauchen dann völlig neue Gefäßformen auf, die mit kleinen, fast unmerklichen Neuerungen im Steinwerkzeuginventar vergesellschaftet sind. Von nun an bilden Nutzviehhaltung und Getreideanbau die Basis der Nahrungsmittelproduktion. Im Steingerätespektrum wie auch in der Flinttechnik setzt sich gleichzeitig die Tradition der Ertebölle-Kultur praktisch unverändert fort. Die Funde aus Rosenhof und Wangels zeigen also, dass die Ertebölle-Leute bereits vor 4500 v. Chr. überregionale Kontakte auch zu Bauernkulturen besaßen, ohne dass diese zunächst Veränderungen in der Nahrungswirtschaft auslösten. Gleichzeitig waren die Menschen auf materiellem Gebiet aber durchaus offen für Neuerungen. Um 4200 v. Chr. erste spärliche bäuerliche Elemente auf, gleichzeitig bleibt die materielle Kultur praktisch unverändert. Ab 4100 v. Chr. wird dann ein Umschwung sowohl in der Ökonomie wie in der materiellen Kultur sehr deutlich. Wir haben also keine übergangslose Revolution vor uns, sondern beobachten, dass über Jahrhunderte nach und nach verschiedene ,,moderne“ Einzelelemente benachbarter Gesellschaften aufgenommen wurden. Es spricht im Übrigen einiges dafür, dass dieser allmähliche Kulturwandel von der bodenständigen Bevölkerung getragen wurde. Beispielsweise waren einige Küstensiedlungen Hunterte von Jahren in Benutzung, die Ertebölle-Leute also an ein sesshaftes Leben bereits gewöhnt. Manche dieser Siedlungen überdauerten auch ohne Unterbrechung den Wechsel von der Ertebölle- zur Trichterbecherkultur. Ein klassisches Beispiel dafür ist Rosenhof mit seinen großen Ausdehnungen und den mächtigen Kulturschichten. Als Auslöser für den kulturellen Wandel machen die Steinzeitforscher übrigens eine Kultur aus, die um 4200 v. Chr. vom west- und mitteldeutschen Raum aus eine starke kulturelle Dynamik nach Norden entfaltet: die so genannte Michelsberger Kultur: Zeichen für eine ernste naturräumliche Krisensituation im Ertebölle-Raum gibt es dagegen nicht. Der geschilderte Prozess fand in einer stabilen Klimaphase, mehrere Jahrhunderte vor der nächsten schwachen Klimaveränderung, statt. Zusammenfassung Teil 2 |